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Wege zur Stille in uns

27. Februar 2022 | Yoga, Achtsamkeit

Was bedeutet für dich, still zu sein? Ist es, nicht zu sprechen, sich nicht zu bewegen, keine Mimik zu Gestik zu zeigen? Das ist auf alle Fälle die typischste Form, die wir mit diesem Wort verbinden. Und es könnte die erste sein, mit der wir uns genauer auseinandersetzen: Wie viel reden wir am Stück? Wann ist der Zeitpunkt da, an dem uns das selbst ermüdet? Wie viel können wir ohne Unterbrechung zuhören? In vielen Konferenzen schlafen die Leute relativ oft ein oder sind zumindest furchtbar erschöpft, weil der Sprecher oder die Sprecherin uns nicht leidenschaftlich mitnimmt, keine Musik abgespielt wird, es selten Pausen gibt. Wie fühlen wir uns nach einem Serienmarathon oder Ähnlichem? Wie können wir in diesem Zusammenhang immer mal wieder rauskommen aus der Aktivitätenfalle? Denn überhaupt einmal still dazusitzen und nichts zu tun, ist für viele von uns schon sehr anspruchsvoll. Und doch ist der Schritt raus aus dem Alltäglichen gar nicht so schwer: Sobald wir uns auf Stille einlassen, spüren wir sofort den wohltuenden Effekt, der uns anspornt, weiterzugehen.

Weitergehen zu einer anderen, tieferen Ebene, nämlich seinen Sinnen, die darauf ausgerichtet sind, immerzu etwas aufzunehmen, keine Bedeutung mehr beizumessen, sie wahrzunehmen, aber sich damit nicht weiter zu beschäftigen. Das ist eine weitaus schwierigere Ebene, denn selbst, wenn ich die Augen schließe, bin ich schnell abgelenkt durch die Geräusche der Umgebung, durch die Schmerzen während des Ruhigsitzens und auch durch meine Gedanken. Der Geist kennt keine Stille. Ziel unseres Denkprozesses ist es, Eindrücke und Erinnerungen zu verarbeiten, zu vergleichen, Probleme zu lösen und damit vorbereitet zu sein auf neue Eindrücke und Probleme. Das macht uns Menschen aus. Alles dreht sich um das innere „Ich“. Dass es da noch eine Ebene dahinter geben kann, hinter dem Denken – das will der Geist gar nicht wissen, denn Stille wäre sein Ende.

Und doch kennen wir sie – diese Momente mit Wow-Effekt, die innere Sprachlosigkeit. Sie sind oft sehr kurz. Aber sie zeigen uns, dass es mehr gibt als das Denken. Deshalb ist die Meditation vielleicht auch mit allen Religionen und Spiritualität verbunden.

Das Problem ist nur, der Weg hin zur absoluten Stille ist schwierig. Unser Gehirn verschweigt uns täglich viele Eindrücke, um uns vor Reizüberflutung zu schützen. Vieles gelangt einfach gar nicht in unser Bewusstsein. Wenn wir aber in der Stille dieses Kontrollzentrum umgehen und selbst entscheiden, was auftauchen darf und was nicht, kommen natürlich auch verdrängte Themen wieder an die Oberfläche, die uns Angst machen, wo wir nicht hinschauen wollen. Das ist eine große Hürde. Hin zur Stille müssen wir uns diesen Ängsten stellen. Es hilft sich zu fragen, ob uns diese Angst nützlich ist, ein bestimmtes Problem zu lösen? Denn das ist die Hauptaufgabe unseres Denkens.

Das nächste Thema ist das Nichts, dass sich plötzlich auftut. Im Prozess der Stille fühle ich mich vielleicht unbedeutend, dumm usw. All die inneren Konflikte lassen mich einfach nicht verstummen. ICH bin immer noch zu wichtig.

Erst, wenn wir die ICH-Ebene verlassen, sind wir in der dritten Ebene der totalen Einheit und Zufriedenheit. Da gibt es einfach überhaupt keine Bedürfnisse mehr. Dahin zu gelangen, erfordert sehr viel Arbeit an sich selbst. Ich muss offen sein, mein Leben aufzuräumen, muss mich genau kennen. Wenn ich dieses Gefühl dann ab und an in einer Meditation erreiche, ist das wie Fliegen oder Drogen nehmen. Körper und Geist verjüngen sich, man hat unglaubliche Energien. Es lohnt sich also in jedem Fall, still zu werden.

Bild: Canva

 

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